Steht die elektronische Gesundheitskarte vor dem Aus? – Zweifel über die Zukunft der Gesundheitskarte nach der Bundestagswahl im September 2017

Mo, 21.08.2017
Schnelligkeit sollte die elektronische Gesundheitskarte (eGK) bringen – die unmittelbare, vernetzte Bereitstellung von Gesundheitsinformationen wie Allergien, chronische Krankheiten, Medikamentenverordnungen und unlängst durchgeführte Eingriffe. Heute, elf Jahre nach dem offiziellen Startschuss und rund 1,7 Milliarden Euro verursachten Kosten kann die eGK jedoch noch nicht mehr als die alte Krankenversichertenkarte.

Nun wurden Stimmen hochrangiger Mitarbeiter von Ärzteverbänden und gesetzlichen Krankenkassen laut, die von Plänen der Bundesregierung berichten, das Projekt eGK solle nach der Bundestagswahl für gescheitert erklärt werden. Befeuert wurde dies zusätzlich durch Wolfgang Krombholz, den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern und Helmut Platzer, Vorstandschef der AOK Bayern, die sich ebenfalls kritisch zur Zukunft der eGK äußerten.

Kritik an Entwicklung und Umsetzung der eGK wird nicht erst seit gestern geübt: So ist vielen der verspätete Online-Rollout ein Dorn im Auge; zwar sind wie einst Versichertenstammdaten wie Name, Geburtsdatum, Adresse, Versichertennummer und Versichertenstatus auf der Karte hinterlegt, die digitale Abruf- und Aktualisierbarkeit ist – entgegen des geplanten Rollouts für 2006 – hingegen noch nicht möglich. Auch weitere geplante Anwendungen der eGK wie ein Notfalldatensatz, ein elektronischer Medikationsplan und eine elektronische Patientenakte liegen momentan in weiter Ferne.

Kritisiert wird außerdem, dass die der eGK zugrundeliegende Telematikinfrastruktur bereits veraltet sei; Krankenkassen würden bereits beginnen, die nächste Generation von Gesundheitskarten, die an den neuesten Stand der Technik angepasst sind, an ihre Versicherten auszugeben.

Ein anderer Kritikpunkt – jüngst von Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, befeuert – adressiert die geringen Zugriffsrechte von Versicherten auf ihre medizinischen Daten im Rahmen der eGK. So könnten Patienten nach derzeitigem Plan nur über Umwege auf ihre gespeicherten Gesundheitsdaten zugreifen. Dass dies nicht dem aktuellen Zeitgeist entspricht, merkt man an zahlreichen Initiativen, wie der Gesundheitsakte der Techniker Krankenkasse oder dem Gesundheitsnetzwerk der AOK, die auf gesteigerte Informations- und Beteiligungsbedürfnisse von Patienten reagieren.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und die in den Infrastrukturausbau involvierten Unternehmen wie die Compugroup dementieren die Gerüchte um ein Aus der elektronischen Gesundheitskarte vehement. Die jüngsten Aussagen könnten dennoch weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen: Sollte die Aufregung zu tiefer Verunsicherung bei den Anwendern führen und infolgedessen Forderungen nach technischen Verbesserungen lautbar werden, wären weitere zeitliche Verzögerungen vorprogrammiert.Quellen (Stand: 09.08.2017):

http://www.hcm-magazin.de/gesundheitskarte-vor-dem-aus/150/27350/355623?xing_share=news

http://www.hcm-magazin.de/roundup-compugroup-und-gesundheitsminister-stehen-hinter-gesundheitskarte/150/27350/355644

https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/e-health/gesundheitskarte/article/940734/telemedizin-droht-e-card.html

https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/e-health/gesundheitskarte/article/940776/telematikinfrastruktur-wo-bleibt-anschluss-patienten-e-health.html

http://www.kbv.de/html/egk.php
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