Auf in die Zukunft der Digitalisierung – der Digital Health Summit No. 8 von SKC

Wie wird die Digitalisierung das Gesundheitswesen transformieren und revolutionieren? Wo hat die Digitalisierung der Medizin bereits stattgefunden, wo hinkt sie hinterher und welche Potenziale gilt es in Zukunft zu nutzen? Antworten auf diese und weitere spannende Fragen lieferte am 13. Juni 2018 der 8. Hannoversche Strategietag zum Thema Gesundheit im Rahmen der CEBIT in Hannover. Die Organisatoren, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), das CEBIT-Team sowie die SKC Beratungsgesellschaft brachten beim Digital Health Summit No. 8 ausgewiesene Experten der Gesundheitsbranche zusammen und machten „Digital Health in one day“ erlebbar.

Nach einer Begrüßung und thematischen Einleitung durch Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe AG und Stefan Muhle, Niedersächsischer Staatssekretär für Digitalisierung, leitete der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Prof. Dieter Kempf, vor ca. 160 Anwesenden mit einem Zitat von Louis Pasteur seinen Vortrag ein: „Veränderungen begünstigen nur den, der darauf vorbereitet ist“. Prof Kempf verdeutlichte durch eindrücklichen Schilderungen den Aufholbedarf, den er im deutschen Gesundheitswesen im Bereich Digital Health sieht. Während andere Länder, wie die baltischen Staaten, die Chancen, die Digitalisierung für den Patienten bieten, längst erkannt hätten und digitale Potentiale in ihren Gesundheitssystemen routinemäßig ausschöpfen würden, ständen in Deutschland immer noch die Bedenken im Vordergrund. „Das deutsche Gesundheitswesen hinkt bei der Umsetzung digitaler Kompetenzen hinterher.“, kritisierte Prof.  Kempf. Eine zentrale Rolle, um Deutschland im Bereich Digital Health zukunftsfähig zu machen und die Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken, käme dabei der Industrie zu – im Sinne der Patienten, nicht nur im Interesse einzelner Industriebranchen und Partikularinteressen. Um diese Rolle jedoch erfüllen zu können, sei die Industrie, so Prof. Kempf, auf angemessene Rahmenbedingungen und eine grundlegende Infrastruktur angewiesen, für die primär die Politik in der Pflicht stehe.

Der folgende Themenblock widmete sich den technischen Voraussetzungen einer digitalen Revolution im Gesundheitswesen, besonders dem IoT (Internet of Things) und Big Data. Dr. Werner Eberhardt, Global Head von SAP Health schilderte das gewaltige Potential, das Big Data für die zukünftige Gesundheitsversorgung birgt und verdeutlichte dies an wegweisenden Leuchtturmprojekten wie der digitalen Patientenakte in Israel. Die intelligente Verknüpfung von Menschen und Daten eröffne dabei ganz neue Möglichkeiten für den wissenschaftlichen Fortschritt und eine effektivere medizinische Versorgung. Durch die Verfügbarkeit eines digitalen Datenschatzes sei eine Transformation in der Medizin von der Reaktion, also der Behandlung der Symptome einer Krankheit, hin zu einer besseren Prävention und Prädiktion möglich. Hiermit bildete er die Überleitung zu dem Beitrag von Dr. Daniel Sonntag, leitender Forscher am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), welcher den aktuellen Stand der Forschung in diesem Bereich vorstellte. Als ein beeindruckendes Beispiel demonstrierte Dr. Sonntag ein in seinem Institut entwickeltes, intelligentes Dialogsystem zur Unterstützung von medizinischen Entscheidungen. Dabei zeichnete Dr. Sonntag ein Zukunftsbild der Medizin, in dem technische Möglichkeiten nicht in Konkurrenz zum Arztberuf stehen, sondern diese die Arzt-Patienten-Interkation effektiv unterstützen. Die technischen Möglichkeiten im Bereich der Augmented Reality wurden anschließend von Prof. Markus Fischmann, Hochschule Hannover, eindrucksvoll illustriert. Dieser vertrat die Meinung, dass Technologien der Realitätserweiterung bereits verfügbar seien, jedoch die konsequente Umsetzung fehle. Er forderte: „Wir müssen eine gemeinsame Vision von Wirtschaft und Forschung entwickeln, um diese Technologie einsetzbar zu machen.“ Gilles Lunzenfichter, Vizepräsident der Medisanté Gruppe, stellte im Anschluss den Ansatz seines Unternehmens für eine bessere digitale Gesundheitsversorgung durch intelligent vernetzte Geräte vor: Mit minimalem technischen Aufwand könnten Messungen von medizinischen Geräten wie Körperwaagen oder Blutdruckmessgeräten vom Patienten direkt an den betreuenden Arzt weitergeleitet werden. Dies würde die Möglichkeiten des Krankheitsmanagements durch den Patienten selbst, insbesondere bei Chronikern, maßgeblich erweitern.  Auf der anderen Seite werde dem Arzt durch den direkten Zugriff auf diese Selbstmessungen ein besseres Monitoring und eine höhere Entscheidungssicherheit im Interesse des Patienten ermöglicht. Das Konzept von Medisanté besticht insbesondere durch die Einfachheit der technischen Umsetzung. Durch Verwendung konventioneller, 3G-fähiger Messgeräte sei- im Gegensatz zu Smartphone basierten Ansätzen- keine nennenswerte Technikkompetenz erforderlich, was besonders älteren Patienten zu Gute käme:  Ein einfacher Knopfdruck sei zur Übermittlung der Daten ausreichend. Das Konzept am Beispiel einer Blutdruckmessung visualisierte er eindrucksvoll im Selbstversuch. Den Anreiz zur Implementierung dieser Technologie sah er dabei besonders in der Reduktion von Versorgungskosten: „Chancen bestehen vor allem im Bereich der Kostensenkung. Denn wo Kosten gesenkt werden, kommen Dinge in Bewegung.“

Die Frage, wie die Lösungsansätze der gesetzlichen Krankenversicherungen von Morgen aussehen könnten, wurde im zweiten Block „Future Lab Health Insurance“ thematisiert. Im Fokus standen hierbei vor allem Dr. Jens Baas, Vorstandvorsitzender der Techniker Krankenkassen, und Siegmar Nesch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, welche beide die konkreten Konzepte ihrer jeweiligen Krankenkasse für eine verbesserte digitalisierte Gesundheitsversorgung vorstellten. Deutschland hinke auf diesem Gebiet hinterher und die Krankenkassen müssten es sich zur Aufgabe machen, die technischen Voraussetzungen für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem im Sinne des Patienten zu schaffen. Beide Ansätze stellen den Patienten als Datensouverän in den Vordergrund – der Patient erhält im Falle der TK durch eine App und bei der AOK Baden-Württemberg über eine elektronische Plattform Zugriff auf seine Gesundheitsdaten und kann diese, auf freiwilliger Basis, mit Leistungserbringern des ambulanten und stationären Sektors teilen, wodurch eine zielgerichtetere und effizientere Versorgung des Patienten begünstigt werde. Dabei stellten beide das hohe Level an Datensicherheit der jeweiligen Systeme heraus. Weiterhin betonten beide, dass es keine Insellösungen geben dürfe, sondern dass die technische Umsetzung einen nahtlosen Anschluss an die bereits bestehende Infrastruktur und Datensoftware in Praxen und Kliniken bieten müsse, um die Etablierung eines einheitlichen, vernetzten Gesundheitssystems zu ermöglichen. Die Bereitschaft, im Interesse der Versicherten zu kooperieren, bekundeten die Techniker Krankenkasse die AOK Baden-Württemberg im Anschluss direkt in einer gemeinsamen Pressemitteilung – ein großer Schritt in Richtung Digitalisierung für die 37 Millionen Versicherten der beiden Krankenkassen! Abgerundet wurde dieser Block von Sebastian Pitzler, dem Geschäftsführer von InsurLab e.V. Deutschland, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Rolle und Wahrnehmung der Krankenversicherer als Wegbegleiter und Partner im Leben der Versicherten zu stärken. InsurLab e.V. fungiert dabei als Plattform, die Innovatoren mit etablierten Unternehmen zusammenbringt – das „Elitepartner“ der Versicherungsbranche. In diesem interdisziplinären Ökosystem sollen mit Workshops, Think Tanks und durch effektive Kooperationen neue Branchenlösungen besonders im Bereich Digital Health vorangetrieben werden.

Der dritte Block „Digital Health – Outlook into the Future“ wurde von James Kugler, Chief Digital Officer der Merck KGaA, eingeleitet. Sein Vortrag „Disrupting the disruptors“ war ein Appell an die Industrie, im Bereich der Digitalisierung mutiger voranzugehen und die sich bietenden Möglichkeiten zu ergreifen. Etablierte Unternehmen wie Merck sollten sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und die Chancen nutzen, ihre Geschäftsmodelle und -strategien zu revolutionieren. Nur so könnten sie disruptiv und damit innovativ das Feld der Gesundheitsindustrie neu gestalten- und damit effektiv neuen Disruptoren, wie Tech-Unternehmen, die zunehmend den Gesundheitsmarkt mit neuen Konzepten veränderten, entgegentreten.  Dr. Petra Rambow-Bertram, Vorstandvorsitzende der Gesundheitswirtschaft Hannover e.V., betonte im Anschluss, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen einen gewaltigen Datenschatz generiere, den es für die Forschung zu heben gelte.  Dr. Qi Li, Physician Executive von InterSystems, stellte vor wie InterSystems bereits jetzt digitale real-life Daten nutzt, um den medizinischen Fortschritt zu unterstützen. So ermöglicht die Firmensoftware eine schnellere Rekrutierung und ein verbessertes Matching von Probanden zu klinischen Studien auf internationaler Ebene – ein wesentlicher Schritt, um die Dauer dieser kostspieligen Studien und damit der Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten zu verkürzen. Abschließend fasste Prof. Dr. Anke Lesinski-Schiedat, Vorstandsmitglied des Hartmannbundes, die Vorteile der Digitalisierung im Gesundheitswesen prägnant zusammen: „Es geht um das Meistern von Herausforderungen, bessere Versorgung, mehr Zeit für das Wichtigste, den Patienten.“ Einigkeit herrschte bei ihr und Prof. Dr. Matthias Schönermark, dem Geschäftsführer der SKC-Beratungsgesellschaft und Moderator des gesamten Digital Health Summits, darüber, dass insgesamt mehr Wettbewerb unter den Ärzten und Ärztinnen notwendig sei, um stärkere Anreize zur Nutzung neuer Technologien zu schaffen.

Damit endete ein informativer achter Digital Health Summit vor einem begeisterten Publikum: Das war wirklich „Digital Health in one Day“!