Gentherapien zur Behandlung der Hämophilie – Wie die FDA pharmazeutischen Unternehmern unter die Arme greift

Im vergangenen Monat veröffentlichte das Center for Biologics Evaluation and Research der U.S. FDA mehrere neue Richtlinien für die Industrie, die Informationen und Empfehlungen zu Zell- und Gentherapien enthalten. Der neue Leitlinienentwurf „Human Gene Therapy for Hemophilia“ gibt unter anderem Empfehlungen zur Gestaltung und Ausarbeitung klinischer Studien zur Prüfung der Wirksamkeit und Sicherheit von Gentherapien zur Behandlung der Hämophilie A und B. Hämophilie A, der häufigste Typ, resultiert aus einem Mangel des Gerinnungsfaktors VIII, während Hämophilie B aus einem Mangel an Faktor IX resultiert. Bisher gibt es keine kurativen Therapien für die Hämophilie. Es gibt zwar wirksame Behandlungsmethoden, aber diese beinhalten meist lebenslange Injektionen, um Blutungen zu verhindern. Die Gentherapie zur Behandlung der Hämophilie könnte eine langfristige Expression des fehlenden oder abnormalen Gerinnungsfaktors VIII und IX bei Hämophiliepatienten ermöglichen und damit eine attraktive Alternative zu den derzeitigen Faktorersatztherapien darstellen, während zudem die Entwicklung neutralisierender Antikörper als schwere Nebenwirkung der Faktorersatztherapie überwunden werden könnte.

Um den regulatorischen Anforderungen möglichst gerecht zu werden, werden Interessengruppen und Sponsoren neuer Medikamente, wie z.B. den gentherapeutischen Produkten, angehalten, bereits in einem frühen Stadium des Entwicklungsprozesses, die von der FDA angebotenen Möglichkeiten für eine regulatorische Beratung in Anspruch zu nehmen. Dieser neue Leitlinienentwurf berücksichtigt bereits wichtige Überlegungen im Hinblick auf ein passendes Entwicklungsprogramm, sowohl für präklinische als auch für klinische Studien am Menschen. In Bezug auf klinische Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit von Hämophiliepräparaten gibt die FDA hierbei Empfehlungen zu geeigneten i) Wirksamkeitsendpunkten, ii) dem Studiendesign und iii) der Studienpopulation, iv) statistischen Überlegungen sowie v) der Studienüberwachung und vi) der Patientenerfahrung ab. Weitere detaillierte Informationen zu präklinischen und klinischen Studien im Allgemeinen finden sich zudem in einem separaten Leitfaden wieder.

In den letzten Jahren standen Gentherapien zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit und fünf Gentherapien wurden bereits von der FDA und der EMA für den kommerziellen Einsatz zugelassen. Die Veröffentlichung der neuen Leitfäden unterstreicht einmal mehr die hohe Aktualität und das zunehmende Interesse an innovativen Therapien, wie den Gentherapien. Im Bereich der Hämophilie sind etwa 19 Gentherapien (Rekrutierungsstatus: noch nicht rekrutiert, rekrutiert, eingeschrieben, aktiv, abgeschlossen) für die Behandlung der Hämophilie A oder B bei ClinicalTrials.gov registriert, worunter sich drei Phase-III-Studien befinden, die von BioMarin Pharmaceutical oder UniQure Biopharma gefördert werden.

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VON Univ.-Prof. Dr. med. Matthias P. Schönermark, Geschäftsführender Gesellschafter und Dr. Alexandra Kuhn

Quellen:
FDA: Long Term Follow-Up After Administration of Human Gene Therapy Products