Gesundheitsapps und Placeboeffekt

Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt einen Placebo-Effekte bei Gesundheitsapps

Mi, 16.06.2021
Seit ca. einem dreiviertel Jahr sind Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) nun in der Versorgungsrealität in Deutschland verfügbar und zunehmend werden neue DiGAs ins Verzeichnis aufgenommen und können innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung verschrieben werden(1). Der Aufnahme geht eine Bewertung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte vorweg, die im sogenannten DiGA-Fast-Track den Nutzen und die Wirksamkeit der DiGAs bewerten. Hinsichtlich der Bewertung des Nutzens einer DiGA hat nun eine kürzlich veröffentlichte Studie gezeigt, dass auch im digitalen Bereich Erwartungen eine Rolle spielen könnten, wenn es um die Wirksamkeit der Applikationen geht (2). Konkret wurde eine 20-tägige, Smartphone-basierte, ambulante Intervention zur psychischen Gesundheit untersucht.

Das internationale Forscherteam rund um Gunther Meinlschmidt und Esther Stalujanis von der Universität Berlin randomisierte insgesamt 132 Patienten in vier Untersuchungsgruppen, welche zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Information bekamen, dass die Applikation eine Wirkung erziele. Der Gruppe eins wurde im Vorfeld mitgeteilt, dass eine Wirkung erwartet werden könnte, der Gruppe zwei, dass eine Wirkung rückblickend eingetreten sei. In der Gruppe drei wurden beide Aussagen vereint. Gruppe vier erhielt als Kontrollgruppe keine Aussage.
Die Studie konnte im Wesentlichen zwei Ergebnisse zeigen:

  1. Die Variable „Interventionstag" war negativ mit der Glaubwürdigkeit und der Erwartung verbunden. Dies legt die Interpretation nahe, dass die Glaubwürdigkeit der Applikation mit der Dauer der Nutzung abnahm.               
  2. Es wurde eine signifikante Drei-Wege-Interaktion zwischen der retrospektiven und prospektiven Wirkungsaussagen und dem Interventionstag gefunden werden, was nichts anderes bedeutet, als dass Aussagen bzgl. der Wirkung einer Applikation einen positiven Einfluss auf die Nutzung und Glaubwürdigkeit einer Applikation haben können, wodurch weniger Patienten die Behandlung abbrechen würden – ein Problem, mit dem aktuelle einige Anwendungen zu kämpfen haben (3).

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Quellen:

Autor: Sebastian Marben, M. Sc.  

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